genossenschaftliches Bauen und Wohnen im Großraum Stuttgart



über uns

Wir sind Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Lebensphasen, die glauben, dass das "gute Leben" auch daraus entsteht, dass man in einer lebenswerten Umgebung wohnt. Zusammen mit Menschen, deren Anwesenheit man schätzt. Um das zu realisieren, haben wir beschlossen


  1. gemeinsam zu bauen und
  2. in dem gemeinsam erstellten Wohnprojekt zu wohnen.


Lassen Sie uns zuerst über den 2. Punkt sprechen:


Unser Ziel ist es, in einer Gemeinschaft zu leben, die die Möglichkeit bietet, sich gegenseitig zu unterstützen. Das kann zum Beispiel durch die gemeinsame Nutzung von Dingen entstehen (Car-Sharing usw...). Oder auch durch Bilden von Interessengemeinschaften wie: "Gärtnern", "Malen", "Repair-Café", "der Betrieb eines Cafés" und anderes. Um das zu ermöglichen wird unser Projekt Gemeinschaftsflächen haben, in denen solch gemeinsame Aktivitäten stattfinden können. Dabei ist uns Folgendes wichtig: All diese Dinge sollen nur ein Angebot sein, kein Zwang. Es ist schön, wenn sich Menschen zusammenschließen um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, wir erwarten es aber nicht. Im Gegensatz zu anderen Genossenschaften streben wir daher auch keine Beschränkung des privaten Wohnraums auf eine bestimmte Quadratmeterzahl pro Bewohner an, sondern wir wollen vollwertige Wohnungen erstellen, in denen man so viel "Privatheit" leben kann wie man es sich wünscht. Anders ausgedrückt: Es soll bezüglich des Grades an Gemeinschaft keinen Dogmatismus und keine Erwartungshaltung an die Bewohner geben. Dies ist ein etwas anderes Modell als Wohnprojekte, die auch baulich ein intensives Zusammenleben (kleine Wohnungen, große Gemeinschaftsküchen, Cluster-Wohnungen, usw ....) anstreben.


Vielleicht ist der Wunsch nach der Möglichkeit, auch "privat sein zu können" auch daraus entstanden, dass einige von uns schon 50+ Jahre alt sind und darüber nachdenken, wo wir unser "letztes Nest" bauen wollen. Aus diesem Grund soll das gesamte Projekt barrierefrei werden. Wir wünschen uns jedoch, dass nicht nur "alte Leute" mitmachen, sondern wir wollen insbesondere auch große Wohnungen für Familien erstellen.


Und nun zu Punkt 1., dem gemeinsamen Bauen:

warum eine Genossenschaft?

Der Entschluss, eine Baugenossenschaft zu gründen ist in gewisser Weise "reine Notwehr". Um das zu erklären muss man ein bisschen ausholen:


Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat dazu geführt, dass es in Ballungsgebieten (wie zum Beispiel dem Großraum Stuttgart) auch für Menschen des Mittelstands kaum mehr möglich ist, eine schöne Wohnung zu einem bezahlbaren Miet- oder Kaufpreis zu finden. Dies liegt vor allem daran, dass sich die Politik aus ihrer Verantwortung für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum zurückgezogen hat und diese Aufgabe dem freien Spiel des Marktes überlassen hat. Aufgrund dessen wird seit vielen Jahren extrem viel Geld mit Immobilien verdient, ohne Rücksicht darauf, dass es sich bei "Wohnen" um ein Grundbedürfnis handelt, das nicht der finanziellen Spekulation unterliegen dürfte.


Die politische Antwort auf diese Problematik besteht darin, dass Kommunen und Förderprogramme von Land und Bund den "sozialen Wohnungsbau" wiederentdeckt haben. Dies ist zwar eine gute Sache, es werden dabei aber einige sehr wichtige Dinge übersehen:

 

  • Es ist zwar durchaus ehrenwert, dass der soziale Wohnungbau versucht, Menschen mit wenig Geld das Wohnen zu ermöglichen. Dies verstärkt jedoch die Spaltung unserer Gesellschaft gleich mehrfach:  Es teilt die Menschen in "Bedürftige" und "nicht Bedürftige". Wer in einem Ballungsgebiet eine bezahlbare Wohnung will, muss also beweisen, dass er "bedürftig" ist. Diesen Beweis zu fordern ist unwürdig. Die Menschen, die oberhalb der Bedürftigkeit liegen, werden von der Politik völlig im Stich gelassen - dem munteren Treiben der Immobilieninvestoren mit wunderschönen Renditen wird zugesehen. Oft noch im Glauben, diese würden ja was für die Gesellschaft tun, weil sie ja Wohnraum schaffen würden. Um es ganz deutlich zu sagen: Wer Wohnraum schafft, der für den Mittelstand nicht mehr bezahlbar ist, der tut nichts für unsere Gesellschaft sondern er trägt zu ihrer Zerstörung bei.  Und niemand sollte glauben, es seien steigende Baupreise verantwortlich für die explodierenden Kosten fürs Wohnen. Der tatsächliche Grund sind die enormen Gewinne, die mit Immobilien erzielt werden.


  • Sozialer Wohnungbau wird definiert als Wohnungen mit einer begrenzten Fläche pro Person. Solche Wohnungen sind für viele Menschen ungeeignet, denn:
    a.) die Arbeitswelt der Zukunft wird (auch nach Corona) zunehmend auch im Home-Office stattfinden. Dies ist in einer solchen Wohnung nicht möglich.
    b.) für junge Familien, die Kinder bekommen wollen, bietet eine solche Wohnung (die ja nach der gegenwärtigen Kinderzahl bemessen wird) keine Perspektive.
    c.) Es gibt Menschen im Alter von etwa 50-65 Jahren, die zum Beispiel aus einem eigenen Haus in eine Wohnung ziehen wollen, weil ihre Kinder erwachsen sind und kein Haus mehr benötigt wird. Ein Gästezimmer wird allerdings sehr wohl benötigt!
    d.) Wie allgemein bekannt, werden Menschen immer älter und wünschen sich auch im Alter ein möglichst selbstbestimmtes Leben. Um das zu erreichen muss das "letzte Nest" barrierefrei und rollstuhlgerecht sein. Dies ist in der limitierten Fläche des sozialen Wohnungbaus nicht möglich.


  • Ein weiteres Problem ist, dass auch viele gefördert erstellten Wohnungen nicht auf Dauer der Spekulation entzogen sind. Etablierte Wohnungsbau-Genossenschaften bauen Eigentumswohnungen und Wohnungen, die nach einigen Jahren aus der Mietpreisbindung fallen. Auch mit diesen Wohnungen wird dann gehandelt und spekuliert. "Sozial" ist daran dann nichts mehr.

Wir wollen dies anders machen und haben daher beschlossen, eine Baugenossenschaft zu gründen, die


  1. keine Wohnraumbeschränkungen für ihre Mitglieder vorschreibt und

  2. den Wohnraum satzungsgemäß DAUERHAFT der Spekulation entzieht.



wie funktioniert eine Genossenschaft?


Der zweite Punkt ist nur mit einer Genossenschaft realisierbar. Denn diese funktioniert so: Eine Genossenschaft wird als Interessengemeinschaft gegründet. Die Genossenschaft unterliegt den Regeln des Deutschen Genossenschaftsrechts und wird geprüft und eingetragen. Die Genossenschaft erstellt eine Satzung, die die gemeinsamen Ziele definiert. Die Genossenschaft erstellt das Projekt und ist hierbei der Vertragspartner aller beteiligten Parteien, also zum Beispiel auch der Bank, mit der das Projekt finanziert wird. Die Genossenschaft ist und bleibt Eigentümer der Immobilie. Die Genossenschaftsmitglieder sind Gemeinschaftseigentümer der Genossenschaft (und damit auch der Immobilie), sie haben jedoch kein privates Eigentum an der Immobilie, können also privat nichts vermieten, verkaufen oder vererben. Die im Projekt wohnenden Genossenschaftsmitglieder haben ein Dauernutzungsrecht, das die gleiche Wohnsicherheit garantiert wie ein Immobilieneigentum. Eine Baugenossenschaft ermöglicht also preisgünstiges und sicheres Wohnen, nicht preisgünstiges Privateigentum an Immobilien.


Auf diese Weise können wir dauerhaft Immobilien der Spekulation entziehen und nehmen damit eine wichtige gesellschaftliche Verantwortung wahr. Wir hoffen und wünschen uns sehr, dass dies bei der Bewerbung um ein Baugrundstück berücksichtigt wird.